Schattenseite der Schokolade – das Genussglück

„Mein lieber Schatz, ich achte deine pflichtbewusste Hausarbeit ja sehr, aber du hast meine Hosen definitiv zu heiss gewaschen“. Urs kämpft sich in die frisch gewaschene Jeans.

Gerda verkneift sich einen lauten Lacher: „ich sehe schon, Liebe geht durch den Magen. Aber was wird aus ihr, wenn sie durch den Magen durch ist?“ „Dann hält sie sich hartnäckig an meiner Hüfte fest“, pfuttert Urs. „Sich am Guten fest zuhalten ist nicht automatisch auch das Beste“, schulmeistert Gerda. „Immer wenn etwas gut ist, denke ich, mehr davon wäre noch besser. Und so kommt es zu einem der schlimmeren Glückskiller! Diese Falle schnappt immer gerade bei der Leidenschaft zu.“ „Ich weiss“, sagt Gerda freundlich: „von Kindheit an verbinden wir mit Schokolade Trost, Zuwendung und Liebesersatz. Im wahrsten Sinne des Wortes ein schwerwiegender Irrtum. Auch grosse Mengen Schokolade können uns langfristig nicht aus einem Stimmungstief holen.“ „Aber für irgend etwas wird sie gut sein. Also eines weiss ich aus kühnen Selbstexperimenten: Es gibt keinen Ersatz,“ Urs bleibt hartnäckig und verteidigt seine Schokolade. „Genuss lässt sich steigern. Aber nicht, wie wir gerne meinen, mit der Menge, sondern durch die Intensität und das gezielte Unterbrechen. Wenn ich mich quäle, indem ich mir nur eine, dafür eine spezielle Praline gönne, anstatt eine ganze Schachtel zu verputzen, ist das fast so gut wie Joggen: Ich bin danach stolz, dass ich es geschafft habe. Wenn ich dann zehn Minuten warte, ist der Heisshunger fast immer verschwunden, was ich nicht gemerkt hätte, wenn ich in einem Rutsch die ganze Schachtel an meiner Zunge vorbei durchgewunken hätte. Genuss zu unterbrechen, steigert den Genuss“, doziert Gerda weiter. „Okay meine Liebe, und da du mir sicher bei diesem schwierigen Unterfangen behilflich bist, kann ich mich schon bald wieder von der Schokoladenseite präsentieren!“

Das Genussglück

Wer nicht geniesst wird ungeniessbar. Zur Abwechslung mal üben das Essen langsam und genüsslich zu kauen, wahrzunehmen und wertzuschätzen. Weniger ist oft mehr. Man hat mehr von seiner Lieblingsspeise, wenn man sie nicht jeden Tag isst. Kontraste steigern den Genuss, z. B. kalte und warme, feste und flüssige, salzige und süsse Speisen. Ich kann mir kleine Fragen stellen; Habe ich gut für mich gesorgt? Möchte ich darauf bestehen? Muss ich das wirklich essen?