Jürg von Niederhäusern, Manager der Seelen

26_27_ju%cc%88rg-201608_2fPfarrer Jürg von Niederhäusern ist beziehungsweise war Pfarrer in Seon. Diese Tage werden nun die Tage des Abschieds und des Willkommens sein: Nach 11 Jahren sagt er der Gemeinde adieu, um mit 53 Jahren noch einmal ganz neu Wurzeln zu schlagen, und zwar im rund 50 Kilometer entfernten Balsthal SO. Mit viel Humor und «direktem Draht» zum lieben Gott macht er sich auf den Weg.

 

Es braucht Mut, loszulassen und Neues zu beginnen… Stimmt, aber es ist auch spannend, sich auf Neues einzustellen, eine neue Herausforderung anzunehmen.

Was ist Ihnen als Pfarrer wichtig?
Vor allem die Lebenshilfe und das Begleiten von Menschen. Ich freue mich aber auch über eine aktive Beteiligung am Gottesdienst. Ich freue mich, wenn Menschen sich selber einbringen. Wichtig ist mir vor allem auch ein offener, ehrlicher Umgang miteinander.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Er wird geprägt von Menschen, Kontakten und Ritualen, aber auch von Unregelmässigkeiten und Unverhofftem. Die Begegnungen mit den Gemeindemitgliedern, zum Beispiel beim regelmässigen Wochengebet, bei Hausbesuchen, öffentlichen und kirchlichen Anlässen, Gottesdiensten, am Wochenmarkt und beim Singen im Gospelchor, sind mir sehr wichtig. Zum Sinnieren habe ich nicht viel Zeit.

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©angieconscious/pixelio.de

Mein Alltag ist angefüllt mit vielen Terminen. Und um den Überblick nicht zu verlieren, hilft auch mir das Mobiltelefon, in dem ich die Kontaktdaten speichere. Dann sind da auch noch der Religionsunterricht der Schüler, das Schreiben für Beiträge und Anzeigen im Kirchenboten, die Homepage und die Medien, das Vorbereiten vieler Sitzungen – mein Alltag ist also sehr vielfältig und reich. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. So kommt es, dass ich die nötige Ruhe für das Schreiben meiner Predigten zumeist nachts finde. Sie entstehen aus meinen Notizen vom Tag. Doch wenn ich dann in der Kirche vor den Menschen stehe, nehmen sie nochmals eine neue Form an.

Mit welchen Anliegen und Bedürfnissen werden Sie im beruflichen Alltag konfrontiert?
Ich denke, dass viele Menschen vor allem erwarten, dass ich als Pfarrer ein offenes Ohr für ihre persönlichen Anliegen, Situationen und Fragen habe.

Hat sich Ihr «Aufgaben-Portefeuille», seit Sie in der Seelsorge tätig sind, stark verändert?
Eigentlich nicht. Was mir jedoch immer wichtiger erscheint, ist das Zuhören. Ganz nach dem Motto von Paul Claudel: «Sage nichts, bevor du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt…»

Wann und warum reifte in Ihnen der Entschluss, Pfarrer zu werden?
Schon als Kind von zehn Jahren wollte ich Sonntagsschullehrer werden. Dies erzählte ich irgendwann einem meiner fünf Sonntagsschul-Lehrer/innen. Darauf antwortete er mir: «Dann studiere doch Theologie.» Meine Antwort darauf – ich hatte ja in jenem Alter keine Ahnung, was Theologie war – : «Nein, ich möchte Sonntagsschul-Lehrer werden. »

Wo tanken Sie auf?
Beim Musizieren – besonders gerne mit dem Gospelchor –, Lesen, Beten, in Gesprächen mit meiner Ehefrau und auch bei der Bewegung, sei es mit Spaziergängen mit unserer Hundedame oder einer E-Bike-Fahrt.

Welches ist Ihr liebstes Ritual im Alltag?
Das gemeinsame Mittagessen mit meiner Ehefrau.

Worauf würden Sie persönlich niemals verzichten wollen?
Auf die Musik.

Welchen Wunsch werden Sie sich bestimmt noch einmal erfüllen?
Eine Reise.

Was ärgert Sie oder macht Sie traurig?
Wenn Menschen ihre Fähigkeiten und Jürg von Niederhäusern, Manager der Seelen Begabungen nicht entfalten können oder wollen. Oder wenn sie zwar nach Hilfe fragen, aber sich dann doch nicht helfen lassen wollen.

Was verbinden Sie mit dem Kneippen?
Meines Wissens war Sebastian (= griechisch: «Der Fromme») Kneipp Priester. Er kümmerte sich hingebungsvoll um alle Menschen – ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Standes, Besitzes usw. – und half ihnen mit einfachen Mitteln. Wenn ich’s mal in die Sauna schaffe oder während des Duschens (warm/ kalt) denke ich oft ans «Kneippen».

Wen wünschen Sie sich fürs nächste «Kurz und bündig», und weshalb?
Fred Grob aus Ehrendingen, weil er ein Freund ist – vielseitig und humorvoll.

Jürg von Niederhäusern
Wohnort: bisher Seon AG, ab 1.Oktober 2016 in Balsthal SO
Alter: 53 Beruf: Pfarrer
Familie: Ehefrau Ruth von Niederhäusern-Hufschmid