Raus an die frische Luft – Kneippen mit Kindern

Kinder kneippen von sich aus, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Fatalerweise aber werden sie nicht selten durch die Erwachsenen dabei gestoppt. Aus Angst, sie, die Kinder, könnten sich erkälten oder überanstrengen. Kinder aber wissen intuitiv, was ihnen gut tut. Lernen wir, das Kind zu beobachten und dabei zu entdecken, wie viel selbstverständliches Kneippen in ihnen steckt.

Die fünf berühmten Kneipp-Säulen aus der Kinderperspektive:

Wasser
Kinder lieben Wasser! Sie fühlen sich ins schützende Fruchtwasser im Mutterleib zurückversetzt. Über den Spiel- und Spassfaktor des Wassers können so quasi nebenbei die Abwehrkräfte gestärkt werden.

Pia Grob Wassertreten Bewegung
Der Bewegungsdrang ist den Kindern angeboren. Das Kind darf und soll ihn ausleben. Es soll sich austoben dürfen. So viel als möglich an die frischen Luft – und dies bei jedem Wetter!

Heilpflanzen
Kinder reagieren sehr intensiv auf Gerüche und Aromen und sind, insbesondere bei Beschwerden, Heilpflanzen gegenüber sehr offen. Die Pflanzenwelt ist ein wichtiger, lebendiger Teil ihrer Umwelt.

Ernährung
Ausgewogene, altersgerechte und vor allem möglichst naturbelassene Nahrung leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit. Die Kinder schon früh aktiv am gesunden Kochen teilhaben zu lassen, macht Spass, regt an und sensibilisiert den Gaumen.

Kinder mögen… …Riechen, Schmecken, Fühlen und Bewegen
Eltern und Pädagogen wollen… …die Kinder in einer anregenden Umwelt aufwachsen lassen, in der Nase, Mund, Hände und Augen sensibilisiert werden. Sie die Umwelt begreifen und das Zusammenspiel der Elemente und des Naturkreislaufs früh verstehen lernen.

Reize über das Wasser

Kalter Waschlappen
Einstieg: Setzen Sie Ihr Kind wie gewohnt in die Badewanne in angenehm warmes Wasser (36 – 37 °C). Das Wasser bauchhoch. Auch das Badezimmer sollte angenehm warm sein.

So wird’s gemacht:
Tränken Sie einen Waschlappen mit kaltem Wasser und wringen Sie ihn aus, so dass er gerade nicht mehr tropft. Legen Sie den Waschlappen für einige Sekunden auf den Arm, den Rücken, auf die Brust oder auch auf den Kopf. Keine Angst, Ihr Kind hält den Reiz locker aus! Im Gegenteil, viele Kinder lieben die Abwechslung von kalt auf warm und von warm auf kalt.IMGP0236

Grundsätzliches
Dieser Reiz hin zum kalten Wasser kann gesteigert werden durch eine kalte Waschung, ein kaltes Fussbad, durch einen Knieguss etc. Am einfachsten ist der Einstieg jetzt, auf den Sommer hin. Kinder kneippen übrigens ganz von allein. Zum Beispiel während einer Wanderung: Schuhe aus und rein in den kalten Bach. Sie werden staunen, wie lange die Kinder das aushalten. Setzen Sie das Kind dabei weder unter Druck, noch stellen Sie eine Zeitlimite auf, sondern lassen Sie das Kind sich diesen Reizen ruhig aussetzen, bis es ganz von allein genug hat. Entspannte Kinder hören auf ihren Körper.

Wie wirkt Wasserreiz?
Jeder Wasserreiz – sei er kalt oder warm – wird vom Organismus zunächst als «Störung» empfunden, die er durch entsprechende Reaktionsvorgänge auszugleichen versucht. Wissenschaftlich untersucht ist die auftretende Durchblutungsintensivierung. Diese kann man auch selber durch die Veränderung der Haut, zum Beispiel durch Rötung, erkennen. Diese bleibt nicht örtlich begrenzt, sondern der ganze Körper reagiert unmittelbar darauf. Nach der Haut reagiert die oberflächliche Muskulatur, später der Brust- und Bauchraum, ja, das gesamte Herz- Kreislauf-System – es kommt zu einer Verbesserung der Stoffwechselvorgänge. Bei Kälte kommt es zu einer Verengung der arteriellen Blutgefässe. Zeichen sind blasse Haut, «Gänsehaut», Kälte bis hin zu Schmerzgefühl (Stechen). Unmittelbar darauf erfolgt automatisch eine körperliche Gegenreaktion, d.h. der Körper will ausgleichen. Zeichen dafür sind Rötung der Haut, Wärmegefühl.

Das sagt der Arzt
Gemäss Professor Dr. Walter Dorsch, Kinderarzt in München, spezialisiert auf Lungenheilkunde, senken regelmässige Wasser-Anwendungen gerade auch bei kleinen Kindern nachweislich die Infektanfälligkeit.

Grundregel auch bei Kindern
Kalte Wasserreize nur durchführen, wenn der Körper warm ist, und anschliessend immer für ausreichende Bewegung und Wärme sorgen.

Warum Barfussgehen so gesund ist
Man lächelte, als Sebastian Kneipp den Kurgästen als erstes das Ausziehen von Strümpfen und Schuhen empfahl. Das Barfussgehen – oder zumindest in Sandalen – war für ihn ein wichtiges Mittel, um wieder sicher aufzutreten, die Muskulatur zu festigen, die Nerven zu aktivieren und die Schmerzen in Oberkörper und Kopf zu eliminieren. Was vor über hundert Jahren Sebastian Kneipp riet, ist heute eines der wichtigsten Anliegen vieler Ärzte und Physiotherapeuten: Geht barfuss, wann immer möglich! Zu Hause, in der freien Natur – Erwachsene wie Kinder! Barfuss gehende Naturvölker kennen keine erworbenen Fuss- und Haltungsschäden, sondern haben eine ausnehmend gute Körperhaltung. Physiotherapeuten wissen, wenn an den unteren Extremitäten etwas schief läuft, kann dies weitreichende Folgend haben. Die meisten Beschwerden in Knien, Rücken, Schultern, Nacken und Kopf gehen von den Füssen aus.

Vorsicht bei Sportschuhen für Kinder!
Die modisch extrem weich gefederten Sportschuhe legen den Fussmuskel still! Fatal dabei ist: Das Fussgewölbe, das der gesunden, natürlichen Federung und Stabilisierung dient, wird nicht mehr aktiviert und fällt ein. Am wirkungsvollsten ist und bleibt das Barfußlaufen. Das zeigt sich schon bei Kleinkindern, deren Knicksenkfüße sich mit dem schrittweisen Aufbau des Fußgewölbes verwachsen, vorausgesetzt, sie dürfen so oft wie möglich barfuss unterwegs sein.