Zu viele Termine

„Was schüttelst du den Kopf und führst Selbstgespräche?“, Urs schaut seine Frau fragend an. „Oh Entschuldigung“, Gerda wacht aus ihren Gedanken auf.

„Weißt du, heute Nachmittag war wieder die kleine Chantal bei mir im Musikunterricht. Ihre Mutter bringt sie jeweils total gestresst und erst noch zu spät. Gleich nach der Stunde geht’s dann weiter ins Ballett. Ich glaube das Mädchen ist überfordert mit so vielen Hobbys und Terminen“. „Kommt sie gerne zu dir“? fragt Urs. „Das weiss ich nicht. Sie wäre sehr musikalisch, aber ich glaube der ständige Zeitstress raubt ihr die Freude am Musizieren“. „Ja, die Zeiten haben sich geändert“, überlegt Urs, „wenn ich an meine Kindheit zurückdenke; wir hatten höchstens ein Hobby neben der Schule. Oft trafen wir uns im Quartier und spielten den ganzen Nachmittag. Das war eine schöne Zeit“, kommt Urs ins schwärmen. „So und jetzt muss ich aber noch schnell in die Waschküche“, meint Gerda und springt auf. „Halt, halt!“; bremst Urs. „Wie ist das mit zu vielen Terminen und so? Gerda stockt: „Ich bin ja gar nicht besser. „Ja, jetzt trinken wir in aller Ruhe einen Kaffee zusammen!“. „Okay, das ist mir auch recht, dann kann ich dir von meinen Plänen erzählen. Ich glaube, ich habe gefunden wonach ich gesucht habe. Im September startet in Bern an der Klubschule der Lehrgang zur Ausbildnerin Gestaltung“. „Wie lange wird das dauern“? fragt Urs interessiert. „3 Jahre, jeden Freitagnachmittag und Abend“, Gerda schaut ihren Mann fragend an. „Du weißt wie ich mich schwer tue mit neuen Umständen. Aber wenn es dich glücklich macht, werden wir uns diese Ausbildung leisten“. Gerda strahlt. „Freitagabend, dann kommst du erst spät zurück?“ sinniert Urs „Ja, dann kannst du endlich viel Zeit vor dem Fernseher geniessen und faulenzen ohne, dass dich deine Frau dabei nervt!“ zwinkert Gerda Urs zu.

„Down Shifting“

Trendforscher nennen es „Down Shifting“, was so viel heisst wie „sich herunterfahren“. Man hat erkannt: ein Mensch, der ständig gefordert wird, leistet schlussendlich weniger als jener, der seine Ressourcen schont und mit seiner Kraft sorgsam umgeht. Was für Erwachsene gilt, das gilt erst recht für Kinder: nicht immer aufziehen, auch mal gehen lassen. Denn jedes Kind braucht auch unverplante Zeit zum Träumen, Trödeln und Spielen.

Down Shifting, ein gutes Hausmittel gegen das Burn-out-Syndrom. Man muss verstehen Zeit zu verlieren um Zeit zu gewinnen. Also keine Absage mehr bei der nächsten Einladung der Freundin zum Kaffee wegen zu vielen Terminen. Ein wohltuendes Gespräch und ein paar ruhige Minuten geben ein gutes Gefühl und wieder Kraft für neue Aufgaben. Einfach mal eine Arbeit liegen lassen, denn die Welt dreht sich trotzdem weiter.