Rheumabeschwerden

Arztdiagnose.

Das Wort Rheuma stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie «Umherziehender Schmerz». Rheuma hat viele Gesichter und scheint so alt zu sein wie die Menschheit. Schon der griechische Arzt Hippokrates hat diese Krankheit vor 2000 Jahren genau beschrieben.

Für die verschiedenen rheumatischen Erkrankungen gibt es zahllose Ursachen: Erkältung, Stoffwechselstörung, Ernährungssünden, Eiterherde (Mandeln, Zahn, Nebenhöhlen), Erbanlage, anhaltende seelische Konflikte und vieles mehr.

«Rheumatismus ist wahrlich der ewige Judas unter den Krankheiten. Die Heilung des Muskelrheumatismus ist ohne Zweifel schwierig, und Medikamente sind hier ganz ohnmächtig; denn nimmt man gelinde, so nützen sie nichts, und nimmt man starke, so reissen sie mehr nieder, als sie aufbauen. Hier heisst es: Was in die Natur eingedrungen ist und im Innern Schaden angerichtet hat, das muss alles ausgeleitet werden, und je einfacher und schuldloser dieses vor sich geht, um so sicherer erfolgt die Heilung.» Sebastian Kneipp

Bei chronischen Beschwerden bevorzugt der Rheumatiker warme Anwendungen und diese tun ihm sehr wohl. Die Wassertemperatur für das warme Bad darf hier ausnahmsweise etwas erhöht sein, also 38–40 Grad. Das warme oder ansteigende Fuss-, Arm- oder Dreiviertelbad mit Heublumen, Haferstroh, Fichtennadeln, Meersalz, Wacholder, Rosskastanien, Rosmarin oder Moorbad oder das wöchentliche Saunabad durchwärmt und entspannt. Angenehm wohltuend lockert eine anschliessende Massage die Muskulatur.

Für eine örtlich tiefgreifende Durchwärmung und Durchblutung sorgt der heisse Heublumen- oder Kartoffelsack oder die heisse Lehmauflage. Beliebt ist auch die heisse Hirse- oder Maisbreiauflage, da sie sehr lange heiss bleibt. Den Brei bereiten Sie wie üblich zu ohne Zutaten und geben ihn heiss in einen Leinensack, den Sie vorsichtig auflegen und mit Baumwoll- und Wolltuch einwickeln. Reiben Sie mehrmals am Tag die schmerzhafte Stelle ein mit einem durchblutungsfördernden Rheuma-Kräuterbalsam.

Zur Abwechslung und falls Sie es als angenehm empfinden, applizieren Sie bei guter Körperwärme einen kurzen Kaltwasserreiz, auf den der Körper aktiv reagieren und selber Wärme erzeugen muss. Wenn nötig, vorher erwärmen mit warmem Wasser, trocken bürsten oder trocken reiben. Der wärmestauende Lendenwickel regt den Stoffwechsel intensiv an und fördert die Ausscheidung belastender Stoffe, was bei chronischem und akutem Rheuma sehr wichtig ist. Am besten wird er morgens früh angelegt, da der Körper (Stoffwechselfunktion) um diese Zeit am besten reagiert. Abends angelegt beruhigt er angenehm. Er kann zwei bis dreimal wöchentlich angelegt werden. Als Abwechslung dient die morgendliche kalte Waschung. Sie regt den Stoffwechsel und die Ausscheidung mild an und erfrischt und stärkt Körper, Nerven und Psyche.

Bei akutem und entzündlichem Rheuma wirkt die kalte oder nach Belieben zimmerwarme Auflage mit Lehm, Quark, roher Zwiebel oder gequetschtem Kohlblatt kühlend, entzündungshemmend und schmerzdämpfend. Die kalte oder zimmerwarme Waschung mit Essigzusatz (ein Esslöffel auf ein Liter), das kalte Fuss- oder Armbad oder der Kneippguss regt die Blutzirkulation und den Stoffwechsel an. Ferner gibt es eine Reihe altbewährter Rezepte aus der Volksheilkunde oder aus Kneipps Hausmittelschatz. Versuchen Sie herauszufinden, welches Ihnen am besten bekommt:

Getrocknete Beinwellwurzeln in Wasser aufkochen und auflegen. Frische Beinwell- oder Birkenblätter heiss überbrühen und auflegen. Frische Beinwellblätter quetschen und auflegen. Einreiben mit Beinwell-, Lavendel- oder Farnwurzeltinktur. Anschliessend oder über Nacht wärmendes Farnkissen auf die schmerzende Stelle auflegen (Leinensäckchen gefüllt mit Wurmfarn). Zubereitung der Tinktur: 250 Gramm Wurzeln des Wurmfarns, des Beinwells oder Lavendelblüten kleinschneiden und mit einem Liter Brannt- wein (70 %ig) übergiessen, 14 Tage stehen lassen, abgiessen und die Tinktur ist fertig.

Rohe Wolle vom frischgeschorenen Schaf auflegen oder in Leinensäckchen füllen und Zinnkraut auflegen. Sie gibt eine angenehme und natürliche Wärme und wirkt schnell und nachhaltig. Sie können die Wolle vorher auch etwas mit Schnaps tränken.

500 Gramm Weizenkleie mit heissem Wasser anrühren, etwas Schnaps dazugeben, in Leinensäckchen füllen und auflegen.

Bemerkung: Alle Auflagen zuerst mit einem Baumwolltuch und dann mit einem Wolltuch einwickeln. Mit der Wärmeflasche bleiben sie länger warm. Wenn Sie vor der Auflage die schmerzende Stelle einreiben, erhalten Sie eine verstärkte Wirkung.

Besonders eignet sich die Frühlings-Teekur mit frischen und jungen Birken- und Brennesselblättern oder die Kur mit Frischpflanzensaft von Zinnkraut. Wirksam unterstützt wird die Kur mit täglich ein bis zwei Tassen Entwässerungstee von Hauhechel, Holunderblüten, Weidenrinde, Spierstaude, Berberitze, Quecke, Karde oder Stechpalmenblättern. Diese Heilpflanzen können Sie einzeln oder gemischt verwenden und nach Belieben wechseln. Die Volksheilkunde rät zum Tee mit Baumnusskreuzchen (Holzkreuzchen zwischen beiden Nusshälften).

Vorschlag für Teekur: Ehrenpreis, Brennessel- oder Birkenblätter, Schlüsselblumenblüten, Weidenrinde und Goldrute zu gleichen Teilen gemischt und zwei Tassen pro Tag schluckweise trinken. Sebastian Kneipp

Bei Rheuma und Appetitmangel rät Sebastian Kneipp zum Tee von Salbei, Bitterklee und Wermut oder von Tausendguldenkraut, Spitzwegerich und Schafgarbe. Täglich langsam und schluckweise eine Tasse trinken.

Umstellung auf leicht verdauliche, vitalstoff- und basenreiche, fleisch- und salzarme Kneippkost (siehe Übersäuerung). Im Frühling mischen Sie frische Löwenzahn-, Bärlauch-, Sauerampfer- und Brennesselblätter, Kresse, Brunnenkresse, Blüten und Blätter von Kapuzinerkresse und Wiesenschaumkraut in den Salat oder geben diese kurz vor dem Anrichten kleingeschnitten in die Suppe. Brennesselblätter kurz andünsten und eventuell mit Zwiebeln und Spinat ergänzen, ergibt ein gesundes Frühjahrsgemüse. Anstelle von Salz frische oder getrocknete Gewürzkräuter verwenden. Weitere Ernährungsempfehlungen: täglich Quark, Molke und Milchprodukte (L+), roten und schwarzen Johannisbeer- oder Erdbeersaft in kleinen Portionen oder mit Wasser verdünnt trinken. Die schwarze Johannisbeere wird im Volksmund auch «Gichtbeere» genannt. Nahrungsergänzend Basenmischung, Propolis und natürliches Eisenpräparat einnehmen, denn oft leiden Rheumatiker an Eisenmangel. Für geregelten Stuhlgang sorgen (siehe Verdauungshilfen), Übergewicht abbauen und Fastentage einschalten: Obsttag, Saftfa- stentag mit Sellerie-, Meerrettich- und Kartoffelsaft, Molketag, Vollreis- oder Kartoffeltag. Meiden Sie unbedingt industriell verarbeitete Nahrungsmittel, gehärtete Fette, Weissmehl, Weisszucker sowie ihre Produkte.

Schützen Sie sich vor Kälte und Nässe, sorgen Sie vor allem stets für warme Füsse. Alkohol, Nikotin, Kaffee meiden. Regelmässige, leistungsangepasste Bewegung, auch wenn die Glieder schmerzen. Bewegung oder sportliche Betätigung sind enorm wichtig, das beste Mittel, einer möglichen Invalidität vorzubeugen: Bewegungsübungen ohne schwere Belastung der Wirbelsäule und grossen Gelenke, Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik, Wandern mit gutem Schuhwerk und entsprechend geeigneter Kleidung. Überbeanspruchung vermeiden, stets auf richtige Haltung achten. Hier kann auch die Musiktherapie die Behandlung ergänzen und einiges zur Besserung beitragen, und zwar durch rhyth- misches Bewegen zur Musik oder einfach nur durch Anhören schöner Musik. Klangvolle Musik, ihre Schwingungen und der Rhythmus können heilende Kräfte entwickeln. Da verschiedene Menschen auf die gleiche Therapieform verschieden reagieren, empfehlen wir Ihnen die individuell angepasste Therapie und besonders die Bade- und Kneippkur im Kurhaus.